Firsthöhe: Vorgaben, Berechnung & Planung
Wichtige Vorgaben, Berechnungsmethoden und typische Werte für Neubauten kompakt erklärt – für Ihre optimal geplante FirsthöheFirsthöhe im Hausbau – Berechnung, Vorschriften und Bedeutung
Die Firsthöhe zählt zu den wichtigsten Maßen im gesamten Hausbau. Sie beschreibt den absoluten Hochpunkt des Daches und bestimmt damit maßgeblich die äußere Gebäudehöhe. Gemeinsam mit Traufhöhe, Dachneigung und Wandhöhe beeinflusst sie nicht nur, wie ein Haus im Straßenbild wirkt, sondern auch, wie viel Wohnraum im Dachgeschoss tatsächlich entsteht.
Da die Firsthöhe fast immer eine zentrale Festsetzung im Bebauungsplan (B-Plan) ist, entscheidet sie im Zweifel darüber, ob ein Entwurf genehmigungsfähig ist. Eine exakte Berechnung ist daher unverzichtbar – Fehler können hier teure Umplanungen oder sogar Rückbauverfügungen nach sich ziehen.
Was versteht man unter der Firsthöhe? (Definition)
Definition: Unter der Firsthöhe versteht man den senkrechten Abstand zwischen einem festgelegten unteren Bezugspunkt und der Oberkante des Dachfirstes (die äußerste Spitze der Dachhaut). Sie ist das Maß für die maximale Gebäudehöhe.
Dieser Wert hat großen Einfluss auf die städtebauliche Einordnung, die Abstandsflächen zum Nachbarn und die Einstufung des Hauses (z. B. im Hinblick auf Vollgeschosse). Die Firsthöhe ist variabel und hängt von vier Hauptfaktoren ab:
- Dachform
- Traufhöhe
- Dachneigung
- Gebäudebreite (Giebelseite)
Wie berechnet man die Firsthöhe?
Die Berechnung erfolgt in der Regel trigonometrisch. Doch Vorsicht: Die Mathematik ist nur der eine Teil – entscheidend ist der rechtliche Bezugspunkt.
Der Bezugspunkt – Die häufigste Falle für Bauherren
Viele Bauherren nehmen an, dass ab dem "Grasboden" gemessen wird. Das ist oft falsch. Der Bebauungsplan definiert den unteren Bezugspunkt ("Nullpunkt") oft sehr spezifisch:
- Natürliches Gelände: Der ursprüngliche Bodenverlauf vor Baubeginn.
- Fertiges Gelände: Die geplante Geländeoberfläche nach Bauabschluss.
- Oberkante Straße (OK Straße): Ein Fixpunkt auf der angrenzenden Straße.
- NHN (Normalhöhennull): Eine absolute Höhe über dem Meeresspiegel.
Experten-Tipp: Klären Sie vor der Planung zwingend den unteren Bezugspunkt im B-Plan. Wenn das Grundstück am Hang liegt oder aufgeschüttet wird, kann die zulässige Firsthöhe schnell überschritten werden, obwohl das Haus selbst gar nicht höher gebaut wurde.
Die Berechnungsformel (Satteldach)
Bei einem klassischen, symmetrischen Satteldach liegt der First genau mittig. Die Formel lautet:
Firsthöhe = Traufhöhe + [ tan(α) × (b ÷ 2) ] (Wobei α = Dachneigung und b = Hausbreite)
Die Variablen:
- Traufhöhe: Höhe vom Bezugspunkt bis zur Traufe (Dachrinne bzw. Schnittpunkt Wand-Dach)
- α (Alpha): Dachneigung in Grad
- b: Breite des Hauses (Giebelseite)
Beispielrechnung: Ein Haus ist 10 Meter breit, die Traufhöhe liegt bei 4 Metern und die Dachneigung beträgt 45 Grad.
- Rechnung: 4 m + (tan(45°) × 5 m)
- Ergebnis: Da tan(45°) = 1 ist, beträgt die Firsthöhe 9 Meter.
Welche Vorgaben gelten im Bebauungsplan?
Im Bebauungsplan wird meist eine maximale Firsthöhe (FH max) festgesetzt. Dies dient dem Nachbarschutz (Verschattung) und einem harmonischen Straßenbild.
Konsequenzen bei Überschreitung
Wird die definierte Höhe überschritten, drohen:
- Ablehnung des Bauantrags.
- Zwang zur Umplanung (flacheres Dach, niedrigerer Kniestock).
- Verlust an Wohnfläche im Dachgeschoss.
- Im schlimmsten Fall: Baustopp oder Rückbau (wenn erst während des Baus bemerkt).
Eine häufige Frage in der modernen Planung: Zählt Technik auf dem Dach zur Höhe?
- Schornsteine & Antennen: Diese gelten baurechtlich meist als "untergeordnete Bauteile" und dürfen die maximale Firsthöhe geringfügig überschreiten.
- Photovoltaik (Aufdach): Solarmodule, die parallel zur Dachhaut installiert sind, zählen in den meisten Bundesländern nicht zur Firsthöhe (bzw. werden toleriert).
- Aufgeständerte Anlagen: Bei Flachdächern oder stark aufgeständerten Modulen können diese zur Gebäudehöhe dazugerechnet werden. Hier ist ein Blick in die jeweilige Landesbauordnung (LBO) notwendig.
Typische Firsthöhen nach Dachform (Vergleichstabelle)
Je nach Dachform und Haustyp variieren die üblichen Höhen. Die folgende Tabelle bietet Orientierungswerte für die Planung:
| Dachform / Haustyp | Übliche Firsthöhe | Besonderheit |
| Satteldach (EFH) | 7 – 9 m | Klassische Spitze; Höhe stark abhängig von Neigung & Breite. |
| Walmdach / Stadtvilla | 6 – 8 m | Wirkt oft niedriger; First ist kürzer als die Hauslänge. |
| Pultdach | 5 – 7 m | First liegt auf der Außenwand (höchster Punkt der Schräge). |
| 1,5-geschossig | 7 – 8,5 m | Oft limitiert durch Kniestock-Vorgaben. |
| Zweigeschossig + Dach | 9 – 11 m | Benötigt oft größere Abstandsflächen zum Nachbarn. |
Hinweis: Die tatsächlichen Werte hängen immer von den individuellen Vorgaben des B-Plans ab.
Bedeutung für Kosten und Architektur
Die Firsthöhe ist nicht nur ein rechtliches Maß, sondern auch ein Kostenfaktor.
- Raumgewinn: Eine größere Firsthöhe ermöglicht oft eine zweite Ebene im Dachspitz (Spitzboden) als Stauraum oder Galerie.
- Kosten: Höhere Häuser bedeuten mehr Wandfläche, höhere Gerüstklassen und stärkere Windlasten, was die Baukosten leicht erhöht.
- Optik: Ein hoher First wirkt repräsentativ ("Stattlichkeit"), ein niedriger First wirkt gedrungener ("Bungalow-Stil").
Häufige Fragen zur Firsthöhe (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Firsthöhe und Traufhöhe?
Die Firsthöhe markiert den höchsten Punkt des Daches (Spitze). Die Traufhöhe bezeichnet den niedrigsten Punkt der Dachfläche (dort, wo das Wasser in die Dachrinne läuft). Die Differenz zwischen beiden ergibt die rechnerische Dachhöhe.
Kann ich die Firsthöhe im Nachhinein ändern?
Nur sehr schwer. Eine Änderung erfordert fast immer eine Tektur (Änderungsantrag) der Baugenehmigung. Ist das Haus bereits gebaut, ist eine Erhöhung bautechnisch extrem aufwendig (Dachstuhl anheben).
Darf mein Schornstein höher sein als der First?
Ja, in der Regel müssen Schornsteine den First sogar überragen, um einen ordnungsgemäßen Rauchabzug zu gewährleisten (oft mind. 40 cm über First). Dies zählt baurechtlich meist nicht zur begrenzten Gebäudehöhe.
Gilt die Firsthöhe auch für Flachdächer?
Beim Flachdach spricht man baurechtlich eher von der Gebäudehöhe oder Attikahöhe. Da es keinen "First" im klassischen Sinne gibt, wird hier meist der höchste Punkt der Dachkonstruktion (Oberkante Attika) als Maß angesetzt.